Alle Gedichte aus „Poesie des Todes und andere Lebendigkeiten“
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Wandernde Worte
Ich entlasse aus mir
Geschändete Worte
Gnadenlos verunstaltete Engel
Die unter schwarzen Schleiern
Weinend
Durch deine Stadt wandern
Ich – und Du
Ich bin die enttäuschende Täuschung
Du warst die täuschende Enttäuschung
Ich bin das kalte Schweigen
Du warst die schweigende Kälte
Ich bin der gütige Zorn
Du warst die zornige Güte
Ich bin das vernichtende Böse
Du warst die böse Vernichtung
Ich bin das frische Alter
Du warst die alternde Frische
Ich bin der lebende Tod
Du bist das sterbende Leben
Abgrund
Aus den Tiefen deiner Wogen
Da will ich Dürstender trinken
Vertrauend der glänzenden Sehnsucht
Verloren im Überschwang
Gefangen dem Blick gefolgt
Ja, du träumendes Dunkelgrau
Ja, du Widerhall der Sphären Klänge
Ja, ich will
In des Dunkelmeeres unendlicher Weite
Will ich in die Helligkeit schwimmen
Vergessend dass die Wellen schweigen
Das Horizonte schwimmend nicht erklimmt werden
Missachtend der tief lauernden Gefahren
Ja, du ewiger Puls der Gezeiten
Ja, du verschlingende Woge
Ja, ich will
Und auf windigen Wolkengründen
Will ich hinab aufs Werden sehen
Auf irdene Reste hinunter lächeln
Von Strömen gebrochenes Treibgut hinterher schauen
Erkennend dass auf Wolkenburgen niemand wacht
Ja, du Schwester des Sturmwindes
Ja, du treibende Wolkenböe
Ja, ich will
In schwindelerregenden Höhen dann
Vor den Stufen der letzten Pforte
Träumte ich nicht allein es zu durchschreiten
Gedanken verknüpfend mit dem ewigen Ort
Allein – der Ort war gähnend leer
Ja, du Schatten ohne Worte
Ja, der du umgekehrt bist
Ja, ich will
Ein letzter Blick zum geöffneten Spalt
Noch kehrt kein Echo von meinem Ruf
Die letzte Endlichkeit ist noch nicht abgeschlossen
Ein Atemzug um den letzten Geist zu vertreiben
Ein Atemzug noch um am Leben zu bleiben
„Vergiss mich nicht“
Verheißt die Kälte des Schweigens
„Vergiss mich nicht“
Dann schweigt auch dieses Schweigen
Ja, mein Abgrund
Ja, ich will
Sterben
Leise windet sich die Erkenntnis ins Gehirn
Es ist die Stimme des Vergangenen
Die im Wissen gefangen bleibt
Die starrenden Augen blicken
Bewegungslos auf das Urteil
Genannt Zukunft
Die doch nichts anderes verheißt
Als das Verlieren der Gegenwart
Die Undurchdringlichkeit der Zeit
Sie sucht dich heim
Du schreist ohne gehört zu werden
Verfällst in Demut
Und du weißt doch
Das sie dir nichts nützt
Denn am Ende
Wartet nur die Ungewissheit
Sehnsucht des Engels
In unbegreiflicher Schwerelosigkeit geboren
Im Spiel des Lichts und Schatten
Im Meer der Tränen versunken
Bis das der letzte Glanz verbleicht
Lass mich ruhen in deinem Herzen
Wenn ich auf den moosbedeckten Stein weine
Denn mein Herz entgleitet der Welt
Alle Kämpfe sind beendet
Die Nähe und Ohnmächtigkeit
Der nicht berührenden Horizonte
Du bist die zerfließende Schönheit
In der Dämmerung meiner Tiefe
Lass mich sehen wie deine Augen mich lieben
Lass dein Herz mein Bett sein unter den Sternen
Flüster mir deine Küsse zu
Wenn ich in deiner Ferne so einsam bin
Du bist gestorben
Du bist gestorben
Alles was ich war
Und gewesen sein sollte
War dahin
In den Strahlen des Mondes
Du hattest mein Abbild
Mitgenommen
In Deinen Tod
Als Erinnerung
Im letzten Brechen Deiner Augen
Doch Dein Atem
Ist fruchtbar geworden
Nach Deinem Tode
Zum ewigen Leben
Im bleibenden Wort
Aus Liebe
Alpha – Omega
Wer von uns
Kennt Ort, Zeit und Stunde?
Wer von uns
Weiß, was in unseren Ohren klingen wird?
Worauf unser letzter Blick ruht
Wer nach uns ruft
Schweigende Worte
Hinabgestiegen
Stille die den Körper entflieht
Sprachlose Bilder
Aus des Gewölbes letzten Raum
Alpha des Lebens
Dem Schutz der Dunkelheit entrissen
Fleisch geworden – Mensch gewesen
Omega des Seins
Wehmut die den Körper verlässt
Bewusstsein halbwach verdämmernd
Die Reise beginnt
Zurück
Jeder Schritt auf ein Ziel
Lässt von einem anderen dich entfernen
Und Hinaustreten ins warmes Licht
Ist Aufgeben schützender Dunkelheit
Unstetes Sein
Auf der Suche nach Heimat
Findet die Seele
Im Leben
Keine Ruhe
Wie sie gezwungen
Das Licht der Welt zu erblicken
Wird sie am Ende
Müde und sehnsuchtsvoll
In den Schutz der Finsternis zurückkehren
Wissend des Behütetwerdens
Über Leichen gehen
In stetiger Wahrheit
Sich bewegend
Trügerische Blüte
Erbarmungsarm
Säuselnde Farben
Sicherheit täuschend
Erhabenheit
Löscht die Wege aus
Geschwächte Seelen
Sterben sich in neue Leben
Vermählen sich
Mit seinem Traum
Er geht so zärtlich
Über Leichen
Todespoesie II
Lange habe ich um deinen Blick gewusst
Der zur Dämmerung der Zeiten
Aus meiner Erinnerung kommt
Und jeder Abend lässt mich fühlen
In mir dein ewiges Begehren
Erschöpft, müde von wiederauflebendem Zweifel
Kreist mein Blick
Um deinen Durst
Schwarzer -
Verheißung in der Ferne
Bieten deine Lippen dar
Wie viele Hänge zu erklimmen
Länder zu durchqueren
Am Ende des Tunnels
Am Grund des Traums
So kreise ich mit leeren Händen
Mit leerem Herzen
Müde ob der letzten Tage Grausamkeit
Über das Lager wo sich mein Schicksal verliert
Nichts als ein Zwinkern
Und mein Leben
Es gleitet
Zu dir
Verloren
Bestätigung, Zuspruch und Anerkennung suchend
Eilt der Traum - der Leben heißt - hinaus in die Realität
Doch das Leben - geprägt vom Ich
Sieht die Träume der anderen nicht
Das Ich im Raum, erfüllt von Sehnsucht
Nach der Endlichkeit
Ist verwirrt von der eigenen Größe
Und suchend nach sich selbst
Verliert es sich in seiner eigenen Leere
Dunkles Gefilde
Mit treibendem Willen der Gier
Beflügelt durch den Schmerz der Leidenschaft
Räkelt sich der Drang nach Selbstverwirklichung
In Monotonie der Zerstörung
Eisige Krallen zerreißen die Träume
Im Fluss des glänzenden Blutes
Schlafen wir, umringt von wilden Kreaturen
Im Harnisch unseres leidenden Wesens
Stimmlose Schreie verwehter Gedanken
Bohren sich durch regungslosen Körper
In dünkelhafter Existenz treibt uns der Traum
Von der Mitte des Abgrundes an den Rand der Zerstörung
Verführung
Ein Engel im untergehenden Licht
Die Flügel zerschlagen
Und aus den Augenhöhlen
Schatten dunkle Worte
Sprich zu mir leise
Küsse meine Augen
Nimm meine Tränen in dich auf
Ich lösche das Feuer deiner Zeit
Unerbittlich drängen seine Worte
Geboren werden heißt untergehen
Im Meer der unendlichen Meinungen
Und Seelenmörder verleugnen deine Träume
Vor welcher Angst willst du fliehen
Wenn die Furcht dich erwartet?
Wie willst du das Alleinsein besiegen
Wenn es keinen gibt der versteht?
Ich bin der Morgen
Du bist das Licht
Ich bin die Einsamkeit
Du der stumme Schrei
Ich bin der Diamant
Der aus deinen Augen fiel
Ich bin das schmerzliche Siegel des Gestern
Dein Tor zur Sehnsucht
Dein bin ich
Und wenn du mich liebst
Bist du auf immer allein
Vergiss das du lebst
Vergiss wer du bist
Und ich lasse dich sehen
Das Gottes Tränen blutig sind
Fern
Verschwindend treiben
Im Land der verlassenen Träume
Bis zur Wiedergeburt
Der Gedanken
In mir
Wie fern bin ich der Zeit
In der ich lebe
Soweit im Leben
So nah am Tod
Namenlos
Namenlos geboren
Zum Menschen auserkoren
Wenn kein Regen fällt
Dann fallen die Tränen
Aus Morpheus Reich
In den Kelch des Traumes
Namenlos geboren
Stehen vor verschlossenen Toren
Mit den fallenden Sternen
Dehne ich die Grenzen
Suchend der Worte
Die das Innerste berühren
Namenlos geboren
Die Hälfte schon verloren
Auf Einsamkeitsmeeren driftend
An Sehnsuchtsufern gestrandet
Der Ruf der Krähe weist die Richtung
Nur das Denken hindert des Wortes Fluss
Namenlos gestorben
Nur ein Träumer geworden
Gefallener Traum
Das Leben strömt nach außen
Maß im Maßlosen
Füllt dein Bewusstsein
Zählst du dein Leben lang
Erkennst du nicht
Was nicht zählbar ist
Bist du selbst
Nur Schatten der Illusion?
Der nicht fassbar
Um dich fließt?
Und das Licht
Es wäre nur ein Wort
Nur eine Beschwörung
Die Freiheit die du besitzt
Ist ein Warenhausangebot
Von dem du nichts gebrauchen kannst
Ohnmacht und Tatenlosigkeit
Sind sie der Lohn der Erkenntnis?
Du fühlst, dass alles schon mal dagewesen
Du bist wie Spiegelbilder eines
Anderen der hinter dir ist
Was bleibt ist Wehmut und Trauer
Über vergebliches Schenkenwollen
In deinem vergeudeten Warten
Wirst du zur Hülle deiner Selbst
Ein gefallener Traum
Ein wenig Schmerz
Ein wenig Staunen
Mehr nicht
Dämmerung
Blutrot schimmert die Sonne
Am Abendhimmel
Taucht die Welt
In ihr Untergangslicht
Der Tag
Strahlend, beglückend
Nur noch eine Erinnerung
Am Horizont
Trostlos Grau
Matt
Und ohne Glanz
Sind die Steine
Die verloren im Zwielicht stehen
Erhellt nur
Von der Flamme
Einer Kerze
Leicht glimmende Hoffnung
Wird verweht
Schwarze Nacht
Senkt sich herab
Grüße im Schatten
Kreuzesschatten
Dunkle Schatten
In den Augen die Tränen
Im Herzen das Wissen
Grauer Himmel
Missendes Leben
Letzte Grüße
So laut
Das Poltern
Letzter Beweis der Liebe
So leise
Das Schweben
Und dann
Nur noch Erde
Blätterfalle
Das Laubbett
Ein Schrein
Für alle die zu Boden gehen
Fallen
Liegenbleiben
Vergehen
Verrottung
Blut und Untergang
Das ist Natur
Du entkommst nicht in den Mai
Mit spaßigem Zeitvertreib
Diese Zeiten sind vorbei
Todespoesie I
Du denkst
Vielleicht -
Du schläfst
Vielleicht -
Du träumst
Vielleicht -
Du lebst
Vielleicht -
Der Tag ist vorbei
Die Nacht zieht ein
Ein Morgen wird kommen
Doch es wird nicht der deine sein
Und doch -
Es fängt gar nicht an
Es hört auch nicht auf
Stelle mir keine Fragen
Kein Wie und kein Wann
Und niemals Warum
Ich bestimme den Lauf
Ohne Wenn und Dann
Dir bleibt das Hoffen und Bangen
Der Tag begreift nicht
Was ihm die Nacht
So manches Mal voraus hat
Das Leben weiß nicht
Was ihm der Tod voraus hat
Und Ich –
Lass es beide nicht wissen
Meine Sonne scheint in deiner Nacht
Es ist Zeit loszulassen
Vom trügerischen Halt deines Lebens
Und dich mir ganz zu geben
Bis da nichts mehr ist
Zwischen dir und mir
Und du erkennst:
Dass du dem Leben näher
Niemals sein kannst